Solo, Adios Peru y Bienvenido Bolivia (0816 pHiL)

Solo
Die erste Station auf meinen Solopfaden fuehrte mich nach Arequipa, die weisse Stadt Peru's. Die wunderschoene Kolonialstadt ist umgeben von aktiven Vulkanen, heissen Quellen und Wuesten in groesser Hoehe. Fuehlte mich richtig wohl in dieser Grossstadt welche aber auf einen auch eher als Kleinstadt wirkt und verbrachte fast eine Woche dort. Arequipa war/ist fuer mich die schoenste Stadt Peru's. Da in der naehe der tiefste Canyon der Welt liegt, unternahm ich in diesem einen dreitaegigen Treekingtrip. Ein auesserst eindrueckliches wie auch mehr als anstrengendes Erlebnis im Canon del Colca.

November Teil II


Von Arequipa ging es fuer mich in das sehr touristische Cusco. Dies war einst die Hauptstadt der Inkas. Leider ist aber von diesem nicht mehr viel zu spueren und zu sehen. Es wimmelt nur so von Touristen und die Preise sind mehr als ueberteuert. Das Unterfangen "Besuch Machu Picchu", eines der sieben Weltwunder, treibt einen fast in den Bankrott. Jedoch vergisst man bereits beim ersten Schritt in die Anlage, das ausgegebene Geld und man kann nur noch Staunen. Es ist wirklich eine Wucht was die Inkas dort erbaut haben! Verweilte 8 Stunden in der "verlorenen" Stadt der Inkas und es wurde mir keine Minute langweilig. Das Staunen hoerte bis zum Schluss nicht mehr auf. Machu Picchu war atemberaubend - die folgenden Bilder sprechen fuer sich.

November Teil III


Adios Peru y Bienvenido Bolivia
Nach dem Machu Picchu war's an der Zeit Peru Chao zu sagen und Richtung Bolivien aufzubrechen. Meine Busfahrt nach Copacabana stellte sich als totales Desaster heraus. Anstatt 50 wurden ueber 90 Personen in den Bus gepfercht und man durfte seinen Sitz mit jemandem teilen. Uebermuedet, froh und entnervt kam ich mit ziemlicher verspaetung in Copacbana an.
Dieser Ort ist uebrigens der Namensgeber fuer den weltbekannten Strand von Rio de Janeiro in Brasilien. Copacabana liegt an dem leuchtenden saphirblauen Titicacasee welcher auf 3820 M.ue.M. liegt. Am naechsten Tag besuchte ich die naheliegende Isla del Sol. Die Aussicht auf der Wanderung vom Norden zum Sueden der Insel war traumhaft. Leider wurde das Bild der Insel ein wenig in Mitleidenschaft gezogen. Ohne boese Absichten habe ich einen alleine mitten im Weg stehenden Esel photographiert. Als ich weiterlief, sprang auf einmal eine alte Frau aus dem Gebuesch heraus und wollte Geld fuer das Photos. Als ich dies nicht geben wollte, versuchte sie mir meine Kamera aus den Haenden zu reissen. Da ihr dies nicht gelang, nahm sie ihren Stock und fing an auf mich einzuschlagen. Schleunigst machte ich mich daher aus dem Staub. Kaum als ich mich von diesem Schock erholt hatte, stand am Weg ein kleines Maedchen und wollte Bonbons. Da ich keine auf mir trug, ihr dies mitteilte und weiterlief, warf das Maedchen Steine nach mir. Sehr freundliche Inselbewohner!
Vom Schreck des Tages konnte ich mich bei dem selbstgekochten Nachtessen von Ursina und Philipp erholen. Ein wunderbares Wiedersehen mit Pasta und reichlich Wein ;-)

Die Regierungsstadt Boliviens, La Paz, war mein naechstes Ziel. Auf dem Weg dahin konnte ich ein weiteres Mal die Freundlichkeit der Bolivianer gegenueber Touristen kennenlernen. Da ich mit meiner einheimischen Bussitznachbarin nicht den Platz wechseln wollte, kam ihre Rache postwendend. Ihre dreckigen Finger (diese Frau ass ihr Glace mit den Haenden) wurden staendig an meinen Hosen abgeputzt. Als ich sie darauf aufmerksam machte, laechte sie mich nur dreckig an. Wirklich nette Leute diese Bolivianer!

Auf mich wirkte La Paz als eine unfreundliche, hektische und unsichere Stadt. Daher war ich froh als Ursina und Philipp mir nach La Paz nachreisten. Gemeinsam machten wir einen ganztaegigen Biketrip auf der "Most Dangerous Road in the World" von 4700 M.ue.M. hinab in den Dschungel. Beim Start hatte es sogar noch Schnee und beim Ende war man in den Tropen. Wie Philipp so gerne sagt, wirklich "grosses Kino" dieser Trip.

Inzwischen sind wir als Dreiergespann in Sucre, der eigentlichen Hauptstadt von Bolivien, angelangt und geniessen ein paar ruhige Tage. Diese Kolonialstadt ist einfach malerisch und laedt einen ein, nichts zu machen und einfach auszuspannen.

Es ist immer wieder schoen und bereichernd die Beiden auf meiner Reise durch Suedamerika zu treffen und einige Zeit gemeinsam zu verbringen. So schoen und wunderbar die gemeinsame Zeit ist, so sehr geniesse ich es dann wieder fuer eine Weile alleine unterwegs zu sein. Der gute Mix von Beidem macht es aus!

Gedanken zu Boliven
Es ist ein sehr spezielles Land welches auf dem direkten Weg zum Sozialismus wie in der ehemaligen Sowjetunion ist. Auf der einen Seite das Aermste wo ich bis jetzt gesehen habe auf der anderen Seite auch das wo gegenueber Touristen am unfreundlichsten ist. Die politische Situation ist auf Grund einer allfaelligen radikalen Verfassungsaenderung im Januar sehr angespannt. Dazu kommt es, dass der Praesident seine auslaenderfeindliche Meinung oeffentlich bei jeder Gelegenheit vertritt. Ansatzweise erklaert wohl dies die Abneigung der Bolivianer gegenueber uns Touristen. Dies macht es einem nicht einfach sich als Tourist in diesem Land Willkommen zu fuehlen.
Wiederum kriegt man in Sucre ein total anderes Bild von Bolivien und fuehlt sich richtig Willkommen und kann sich kaum vorstellen, dass dies das gleiche Bolivien ist welches man bis jetzt kennengelernt hat.

Habe ein gemischtes Gefuehl wenn ich an meine ersten Tage/Wochen in Bolivien denke aber hoffe, dass ich schlussendlich auch ueber dieses Land fast nur positives berichten werden kann.

¡hasta luego!

Dezember Teil I

Gastblog1 (0816Ursina)

So, eine Ehre. Der Club hat mir die Moeglichkeit einer Kolumne oder besser gesagt eines Gastblogs eingeraeumt. Gut. Ich versuche hier Ursina und Philipp (Felipe I) in nichts nachzustehen und berichte von meinen Eindruecken. Wie dies auf ausdruecklichen Wunsch von Ursina geschieht, beziehen sich die untenstehenden Schilderungen auf unsere Zeit in Bolivien.

Nachdem wir in Puno zwei Naechte geschlafen hatten, fraesten wir eines Vormittags (kann mich weder an Daten noch an Wochentage erinnern - ja, die Reisekrankheit) per Bus Richtung Copacabana am Titicacasee. Dabei ueberquerten wir die Grenze. Obwohl per Bus unterwegs, musste dies zu Fuss geschehen. Die suedamerikanische Buerokratie hielt sich in Grenzen, und so dauerten die ganzen Formalitaeten nur knapp eine Stunde.

In Copacabana angekommen bezogen wir Quartier im Hotel Cupula. Das gemaess Lonely Planet "schoenste Hotel von Bolivien" war wirklich supertoll. Es liegt auf einer kleinen Anhoehe und Ursina und ich konnten von unserem Zimmer (das einzige mit einem kleinen Balkon) das smaragdgruenblaue Wasser des Titicacasees bestaunen. Das eigentliche Highlight folgte am Abend. Ursina und ich kochten zum ersten Mal auf unserer Reise selbst. Wir kauften am Nachmittag auf dem Markt Lebensmittel ein (Pasta, Thun, Oliven, Tomaten, Gewuerze, etc.) und kochten dann am Abend. Da Philipp (Felipe I) auch in Town war, luden wir ihn zum Znacht ein. Ein tolles Wiedersehen.

Bald reiste Philipp (Felipe I) dann weiter gen La Paz und Ursina und ich besuchten die Isla del Sol inmitten des Sees. Die ganze Angelegenheit war zwar reichlich touristisch, trotzdem wanderten wir auf der Insel und verpassten fast das Schiff zurueck.

Bald hiess es dann wieder Rucksack packen und den Morgenbus gen La Paz schnappen. Da Philipp (Felipe I) uns bereits vorausgegangen war, reservierte er fuer uns ein Zimmer im Loki Hostel in La Paz. Dort teilen wir drei nun ein 5-er Schlag mit zwei Irinnen. Morgen gehts nun auf eine kleine Velotour, doch davon mehr im naechsten Blog.

Noch eine politische Bemerkung. Die ganze Diskussion um die anstehende Abstimmung zur Verfassung, welche mitte Januar stattfinden soll, spueren wir hier. Auf Haeuser und an Waenden finden sich Ja-Parolen und "Evo, du fuehrst uns zum Sozialismus" Slogans. So viel zum Thema. Ich war der Meinung, dass nach dem Zusammenbruch der ehemaligen Sowjetunion sowie dem wirtschaftlichen dahinstagnieren von Kuba das Thema Sozialismus als System eigentlich vom Tisch sei. Nicht hier. Hier wird lustig drauflos verstaatlicht - aber Evo, der seinen Ruecktritt ja bereits auf 2016 angekuendigt hat, der wird das schon machen. Statt in Bildung zu investieren und damit das Land voranzubringen, wird hier ein Sozialismus propagiert, der weder die grassierende Korruption im Land bekaempft, noch der Bevoelkerung mehr Sicherheit bringt. Aber Evo wird es bstimmt richten.

November Teil I (0816Ursina)

Auf den Spuren der Inka (0816Ursina)

In einem neuen Duo Ursina und Philipp ging's nun von Ica aus weiter ueber die peruanischen Anden. Die Region gehoert nicht zu den touristischen Hauptattraktionen des Landes und so durften wir eine unberuehrte Region entdecken. Begleitet von strahlendem Sonnenschein besuchten wir die erste Stadt Ayacucho und wurden von ihr durch das einzigartige Andenflair in ihren Bann gezogen.

In einer 10stuendigen Busfahrt erreichten wir zwei Tage spaeter Andahuaylas. Die Strasse war nicht besser in Schuss als ein holppriger Feldweg, doch wurden wir mehr als nur entschaedigt von der rauhen und wunderschoenen Landschaft. Andahuaylas ist ein enorm geschaeftiges Zentrum der Andenbevoelkerung, jedoch recht klein und nicht weiter speziell. Von da aus besuchten wir eine eine Festung der Chankas, welche spaeter von den Inkas erobert wurde. Alleine diese Ruinen zu erkunden, umgeben vom maechtigen Andengebirge und einer saftigblauen Berglagune machte dieser Tag zu einem waren Highlight.

Die weiteren 10 Stunden nach Cusco waren fuer mich wortwoertlich zum kotzen. Und zwar nicht, weils nicht schoen gewesen waere - ganz im Gegenteil. Aber eine Holpper-Fahrt (wir sind uns ja schon einiges gewohnt, aber das war wirklich der Spitzenreiter) ueber Berg und Tal mit einer Magenverstimmung ist wirklich nicht ein schoenes Erlebnis :-)

Cusco war einst die Hauptstadt des maechtigen Inka-Reiches. Leider sind aus dieser Zeit nur noch ein paar Mauern vorhanden, denn die Spanier haben wiedermal ganze Arbeit geleistet. Trotzdem ist dies fuer mich die schoenste Stadt Perus mit ihren vielen Kopfsteinplaster-Gaesschen, Steinhaeusern und Kirchen. Obwohl... die ganzen Heerscharen von Touristen muessten wirklich nicht sein.

Noch mehr davon waren auf dem weltberuehmten Machu Picchu anzutreffen. Der Weg dahin war muehsam, und zwar nicht wegen der mehr als 1500 Treppenstufen den Berg hinauf, sondern weil man schlimmer als eine Weihnachtsgans ausgenommen wird. Trotzdem verbrachten wir in der "verlorenen Stadt der Inka" ueber 5 Stunden. Es ist einfach Wahnsinn, was die Inkas errichtet haben! Dadurch, dass die ganze Anlage noch wunderbar erhalten ist, konnten wir unseren Gedanken freien lauf lassen, was hier alles haette sein koennen (man weiss naemlich bis heute nicht, was Machu Picchu im Reich der Inkas eigentlich war).

Unser naechstes Ziel hiess Arequipa, die zweitgroesste Stadt Perus. Der friedliche Charm der Stadt laed wahrhaft ein, den Tag zu geniessen... Speziell zu erwaehnen sind zwei Dinge, die wir gemacht haben: Ersten der Besuch des riesigen Monasterio de Catalina, einer architektonischen Perle, und zweitens vergnuegten wir uns mit dem neuen Bond :-)

An dieser Stelle muss ich mit Groll erwaehnen, dass es von all den Reisetagen zwischen Ayacucho und Arequipa keine Fotos mehr gibt. Mein teuer erstandenes Backup-System hat den Geist aufgegeben - und weg sind die Foettelis. Zum Glueck nicht die Erinnerungen.

Von da aus buchten wir eine Tour in den Colca Canyon, der mit 1200 Meter der zweittiefste der Erde ist. In den 3 Tagen wurden wir verwoehnt mit beeindruckenden Bildern, atemberaubenden Landschaften und interessanten Erzaehlungen. Wegen der bruetenden Hitze hatten wir etwas Respekt vor dem Aufstieg aus dem Canyon, war aber Dank Tagwach um 4 Uhr morgens nicht speziell anstrengend.

Unsere letzten Tage in Peru verbrachten wir in Puno am Lago Titicaca. Die Stadt selbst hat nichts zu bieten und die touristenueberfuellten Boote zu den nahegelegenen Inseln (auf denen man strickende Maenner sehen kann) wollten wir nicht besteigen. So sparten wir uns die Schoenheit des hoechstgelegenen beschiffbaren Sees fuer Bolivien auf - und wir sollten nicht enttaeuscht werden. Davon berichtet euch aber Philipp in seinem ersten Gastblog.

November Teil I (0816Ursina)

últimas dias...

Nach der Kueste Peru's ging es fuer uns in das Andenhochgebirge Cordillera Blanca. Diese Gebirgskette ist nach dem Himalaya die zweitgroesste Weltweit. Natuerlich hiess es auch hier fuer uns, das Wandern ist des Muellers Lust ;-) So machten wir uns eines Morgens von Huaraz Richtung der koenigsblauen Laguna 69 auf. Uff, war das ein Krampf mehr als 3 Stunden auf 4500 M.ue.M. hochzukraxeln, aber die Anstrengung hat sich mehr als gelohnt. Die Aussicht auf die nahen Gletscher, die Laguna 69 und die Gebirgsketten waren einfach traumhaft. Leider hatten wir das Pech, in der Regenzeit dort zu sein. Doch das Glueck war mit uns - wir wurden nur 4x mit Regen ueberrascht. Wie sehr einem der erklummene Hoehenunterschied von ueber 700 Meter zusetzen kann, erlebte Ursina am eigenen Leibe. Sie kaempfte waehrend dem Abstieg und der sehr holprigen Heimfahrt mit der Hoehenkrankheit. Zum Glueck ging es ihr nach kurzer Zeit wieder besser. Aber dies zu erleben ist wirklich kein Vergnuegen.

Nach ein paar Tagen in Huaraz und kleineren Wanderaktivitaeten reisten wir nach Lima weiter. Die Hauptstadt Perus ist eine faszinierende suedamerikanische Metropole. Die Gegensaetze ziehen sich hier nur so an: von auessert luxurioesen Wohn- und Touristengegenden bis zu Slums, wo's kein fliessendes Wasser und Strom gibt - es hat alles. Ganz ausser sich entdeckte Felipito, dass es hier auch einen Starbucks gibt. Da hiess es natuerlich sofort hin und mit seeligem Blick Kaffee schluerfen. Ach, war das ein Genuss und Gluecksgefuehl ;-) Es war auch wiedermal schoen die Vorzuege einer Grossstadt geniessen zu koennen und so nahm Ursina die Shoppingcenter etwas genauer unter die Lupe...
Nach 3 Tagen Lima durften wir Philipp ein weiteres mal als Temporaermitglied in "the club" begruessen. (Zur Erklaerung, so nennt er die Union Ursina & Felipito.) Natuerlich wurde das Wiedersehen abends mit Peru's Nationalgetraenk "Pisco Sour" begossen. Dieser besteht aus Pisco Schnaps, Limonensaft, Rohrzucker und zwei geschlagenen Eiweissen. Ein sehr spezielles Getraenk und wir waren uns alle einig, einmal und nie wieder.

Gemeinsam machten wir uns nach ein paar Tagen Lima nach Huacachina auf. Dies ist ein verschlafener Ort inmitten einer traumhaften Duenenlandschaft mit einer Oase (frueher war der Ort so bekannt, dass er sogar den Weg auf die Hinterseite der 50 Soles Note gefunden hat). Waehrend Philipp zwei Stunden Vierrad-Toeff (sorry, richtiger Name leider vergessen...) fahren ging, liessen Ursina und Felipito die Gelegenheit fuers Sandboarden in den Duenen nicht aus. War das ein Spass!!!! Verbunden mit einem traumhaften Ausblick auf die Duenen, der rasanten Fahrt mit dem Buggy und einem Sonnenuntergang - ein unvergessliches Erlebnis. Nach dem zweistuendigen Sandboarden, hatten wir kein Koerperstelle, die nicht mit Sand ueber-saett war und einige blaue Flecken blieben als Andenken ;-)

Am naechsten Tag hies es dann Abschied zu nehmen. Nach nun fast 7 1/2 Monaten gehen wir getrennte Wege. Wir durften zusammen eine wundervolle Zeit erleben, die uns enorm zusammenschweisste, uns zu Geschwister machte. Ohne die Unterstuetzung und Gegenwart des Anderen haetten wir wohl vieles nicht durchgestanden und freudige Momente nicht so gut teilen koennen.

Wir werden beide ab und an weiterhin hier auf dieser Seite ueber unser Erlebtes berichten und Foettelis aufschalten. Unser Abenteuer "0816" in Suedamerika geht, wenn auch auf getrennten Wegen, hier weiter.

November Teil I

Grenze

Dieser Eintrag widmen wir zuerst etwas anderem als unserer Reise. Mit riesiger Freude erreichte uns die Nachricht, dass Fabienne und Patrick Eltern vom suessen Robin geworden sind. An dieser Stelle nochmals unseren herzlichen Glueckwunsch an euch beide!

Als uns Patrick anrief, waren wir wieder zurueck in Latacunga und am naechsten Tag fuhren wir weiter nach Riobamba. Diese Stadt bietet nichts besonderes und wir verbrachten einen 2 stuendigen Sightseeing, weil wir ein Cafe suchten. Dabei stellten wir fest, dass diese haessliche und zugleich huebsche Stadt einen starken italienischen Einfluss hat. Theorien ueber das Warum haben wir zwar erstellt, jedoch kennen wir den wirklichen Grund nicht.

Am Tag darauf bestiegen wir frueh morgens das Dach des Zuges nach Alausi. Die Zugstrecke wurde um 1900 erbaut und fuehrte einst von Guayaquil nach Quito. El Niño ist schuld, dass heute nur noch diese 7 stuendige Bahnstrecke moeglich ist. Die Fahrt zum Nariz del Diabolo war aeusserst abenteuerlich, vorallem wenn man die Baufaelligkeit von Schienen und Zug sowie die halsbrecherische Strecke selbst anschaut. Natuerlich kennen Ecuatorianer auch keine Sicherheitsvorkehrungen. Aber das Risiko war's wert, denn vom Dach aus wurden uns wunderschoene Ausblicke gegeonnt. Unter anderem konnten wir den Chimborazo, der hoechsten Berg Ecuadors, bestaunen.

Die naechsten Tage verbrachten wir in der Kolonialstadt Cuenca. Das Zentrum gehoert zum UNESCO-Weltkulturerbe wegen seiner vielen wunderschoenen Kirchen. Unter anderem steht die groesste Kirche Suedamerikas (Platz fuer 10'000 Menschen) dort. Wir fuehlten uns eher in einer Stadt Europas, irgendwie ein Mix zwischen Paris, Madrid und Wien. Von da aus unternahmen wir einen Ausflug in den Nationalpark Las Cajas, ein Moorgebiet, welches ueber stolze 3000 Seelein verfuegt.

Der letzte Ort in Ecuador sollte Vilcabamba sein. Eigentlich hatten wir geplant, einige Tage auf einer Hacienda zu verbringen. Da dies aber nie zu stande kam, goennten wir uns fast eine Woche in einem tollen Hostal oberhalb des Dorfes. Es tat richtig gut, all die vielen Erlebnisse der vergangenen Wochen im schoenen Garten, auf der Haengematte, bei der Massage, am Pool, auf einer Wanderung, beim guten Essen oder am Abend bei Spiel und Spass zu verarbeiten.

In der Nacht vom 20. Oktober verliessen wir einerseits etwas traurig Ecuador und erreichten andererseits mit Freude Peru. Der Grenzuebergang gab's keine Probleme. Lustig war, dass wir zu Fuss ueber die Grenze laufen mussten.

Chiclayo war unser erster Standort in Peru. Von dort aus besuchten wir die Tempelruinen von Tucume und das tolle Museum Lambayeque. Im Museum bestaunten wir das Grab des Herrschers Sipan und viele Grabschaetze aus Gold, Silber und Ton. Beide Kulturen stammen aus der Zeit vor dem Grossen Inkareich.

Jetzt befinden wir uns in Huanchaco, einer kleinen, huebschen Kuestenstadt im Norden. Umgeben ist dieses Gebiet mit Wueste, die zwar kahl aber sehr faszinierend aussieht. Huanchaco ist ein beliebter Wochenendort der Peruaner und nebst Surfen, von dem wir lieber die Finger lassen, ist das Fischen mit den aus Binsen hergestellten Booten namens Caballitos (kleines Pferd) verbreitet. Gestern besuchten wir Chan Chan, die einst groesste Lehmstadt der Welt. Schon gigantisch, diese Mauer-Ruinen zu sehen und in Gedanken an diese Zeit zurueckversetzt durch die in Restauration befindende Tempel-Anlage zu schreiten. Bei der Eroberung Chan Chans durch die Inka wurde wegen seiner Schoenheit nichts zerstoert. Dies uebernahmen dann die Spanier...

Heute besuchten wir Huacas de la Luna y del Sol. Der kleinere Tempel Luna wurde fuer religioese Rituale benutzt und Sol (der groesste Adobe-Tempel Perus) war die Verwaltung. Erbaut wurden die Tempel in den Jahren 100 bis 600 n.Ch. Der Name verdanken sie einer aehnlichen Tempelanlage von Mexiko, hat also keine spezielle Bedeutung.

Was wir bis jetzt von Peru gesehen haben, beeindruckt uns schwer. Vor allem die Weite des Landes. Wir bemerken erst jetzt, wie klein Ecuador im Vergleich zu anderen suedamerikanischen Laendern ist. Einige Unterschiede zu Ecuador konnten wir bereits feststellen, jedoch ist es noch zu frueh, um diese genauer zu beschreiben.

Oktober Teil II

Vom Dschungel auf 5000 Meter

Wieder einmal stehen wir vor dem Problem, 1000 wunderschoene Erlebnisse in Worte zu fassen. Leider besitzen wir nicht den Wortschatz eines Schriftstellers und wuerden darum immer nur mit Ausdruecken wie atemberaubend, wunderschoen, einmalig und genial um uns schlagen.
Unsere Faszination fuer Ecuador fuehrt uns taeglich zu neuen unbeschreiblichen Entdeckungen...
Im Dschungel verbrachten wir vier Tage und drei Naechte. Stundenlange Kanufahten entfuehrten uns in die bezaubernde Welt, wo auf eindrueckliche Weise Tier und Natur miteinander leben. Reichlich lange Busstunden brachten uns in die Zivilisation Quito zurueck. Nebst ein paar erfolglosen Unterfangen buchten wir eine Bike-Tour zum Cotopaxi, der hoechste aktive Vulkan der Erde. Die neu erlernte Flexibilitaet konnten wir dann auch gleich anwenden, denn es stellte sich heraus, dass in der Tour auch die "Besteigung" inbegriffen war. So duerfen wir mit Stolz sagen, dass wir die Gletschergrenze auf 5000 M.ue.M. erklommen haben. Von da ging's weiter nach Latacunga, einer huebschen Andenstadt. Nach dem Motto "alles rein was irgendwie Platz hat", fuhren wir als Bussardinen weiter nach Quilotoa, wo wir mit Wandern der Kaelte entkommen versuchten und im Kanu die Kraterlaguna eroberten.
Viel Spass mit den Bildern.

Oktober I

und los geht's

ultimo dia en el santuario...
...ein unvergesslicher tag.
fuer unsere klassen der escuela organisierten wir am morgen eine kleine abschlussfeier mit viel torte und tanz. letzteres gehoert hier in ecuador zu jedem fest einfach dazu. beiden profesoras und uns viel das chao sagen sichtlich schwer. der 360 grad wandel unserer beziehung, welcher in den vergangenen monaten stattgefunden hat, war enorm.

von unseren niños und niñas des heims wurden wir nachmittags mit einem fest zu unserem abschied ueberrascht. natuerlich wussten wir von dieser feier schon frueher, da es bekanntlich fuer kinder nicht einfach ist, solche geheimnisse fuer sich zu behalten :-). die zeit vergingen beim feiern wie im flug - viel zu schnell mussten wir abschied nehmen, was definitiv nicht einfach war. nach wie vor vermissen wir die kids sehr und sind in gedanken oft bei ihnen. tortzdem war die zeit reif, um chao zu sagen und wir sind gluecklich, eine so wunderbare, erfahrungsreiche zeit verbracht zu haben.

beginn des neuen abenteuers
voller freude machten wir uns einige tage spaeter in unser naechstes abenteuer auf. zu beginn unserer reisezeit verbrachten wir einige tage in zwei verschlafenen orten (canoa und mompiche) an der kueste. ausser viel schlafen, essen und lesen konnten man da nichts unternehmen, jedoch passte dies perfekt. auch war es schon fast standard, dass jeden abend um ca. 19 uhr der strom fuer eine laenger zeit ausviel. ein kleiner wehmutstropfen war, dass der wettergott nicht auf unserer seite stand und wir die sonne waehrend diesen tagen nur selten zu gesicht kriegten.
nach diesen erholsamen tagen reisten wir weiter richtung hochland. quito (hauptstadt von ecuador) war unser erstes ziel. um sich an die hoehe von 2800 m.ue.m zu gewoennen, verbrachten wir dort 2 ruhige tage, bevor es dann nach otavalo ging. otavalo ist die hochburg der geschaeftstuechtigen indigen bevoelkerung von ecuador. das tragen einer sogenannten "tracht" ist ein wichtiger bestandteil ihres leben und kultur.
eine 14 km lange wanderung um die wunderschoene kraterlagune cuicocha, von welcher man einen atemberaubenden blick auf unzaehlige vulkane hatte, und den besuch des weltweit bekannten marketes rundete unseren besuch in otavalo ab.

zur zeit freuen wir uns riesig auf unseren bevorstehenden 5-taegigen dschungeltrip. mit sicherlich spannenden erzaehlungen melden wir uns wieder nach ueberlebtem pirania fischen und anakonda beobachten.

September Teil II

Chao Chao – und was eigentlich mit eurem Geld geschehen ist

Wie gut können wir uns noch daran erinnern, vor nicht all zu langer Zeit unsere sieben Sachen gepackt zu haben und mit dem Ziel Abenteuer Unbekannt ins Flugzeug gestiegen zu sein. Nun sind 5 ½ Monate vergangen und unsere Zeit hier im Kinderheim neigt sich dem Ende zu. Am 12. September begeben wir uns das letzte Mal auf unseren langen Arbeitsweg ins Santuario. Der Abschied wird alles andere als leicht, aber mit einer guten mentalen und organisatorischen Vorbereitung wird das wohl klappen.

Am Sechzehnten im Jahr Nullacht (was sonst) geht’s dann ab ins nächste Abenteuer. Am Anfang unserer langen Reise durch Südamerika bleiben wir noch etwas an der Küste Ecuadors, wo wir uns nach Strand, Sonne, Hängematte und Nichtstun sehnen. Mit auf unseren Weg nehmen wir einen Rucksack prall gefüllt mit bunt gemischten, negativen wie auch positiven Endrücken und Erfahrungen.

Als weiteres kleines Highlight (nicht nur für uns) haben wir alle Kids – fast 50ig an der Zahl – in den Bus gepackt und sind mit ihnen auswärts zum Essen gefahren. Nur schon die einstündige Busfahrt war toll. Beim Restaurant, welches an einem wunderschönen Strand liegt und als Schiff gebaut ist, angekommen, schlemmten wir ein ausgezeichnetes Essen. Wie ungewöhnlich dies für Manche war, zeigte, dass einige nicht mal richtig wussten, wie mit Messer und Gabel umzugehen ist. Danach genossen wir die Zeit mit baden, Fuss- und Volleyball spielen, Sandburgen bauen, Fischnetz aus dem Wasser ziehen und anschliessend mit den Fischen spielen. Aber genug Worte, die Bilder von diesem Tag sagen mehr.



Dieser wundervolle Tag war nur dank eurer grosszügigen finanziellen Unterstützung möglich. Aber nicht nur das, noch viel mehr ist und war nur durch eure Hilfe möglich. Hier nun eine Auflistung, was wir mit eurem Geld angestellt haben und warum.

Renovation Jato. Als Jato wird hier das Haus der 27 kleinen Jungs bezeichnet, wo Philipp arbeitet. Der Zustand des Hauses hat uns seit Beginn schockiert: keine funktionierenden Duschen und Waschbecken, defekte und nicht spühlende WCs, löchriger Fussboden (ein Junge fiel sogar mal in den unteren Stock), spärlich fliessendes Wasser, fehlende Elektroinstallation – um mal die akutesten Probleme zu erwähnen. Mit riesiger Freude nahmen die zuständigen Personen unseren Vorschlag entgegen. Inzwischen sind schon Wasser, Duschen, WCs und Duschvorhänge installiert. Die weiteren Arbeiten folgen in den kommenden Wochen.

Matratzen. Viele der Matratzen der Jungs und Mädchen sind in miserablem Zustand. Nicht wenig kommt es vor, dass schon fast auf den Holzbrettern des Bettes geschlafen wird. So haben wir nun 60 Better ausgemessen und diese Woche wird die Bestellung für die Spezialanfertigungen gemacht. Wir haben uns für die beste Matratzen-Qualität entschieden, da somit einer Nachhaltigkeit am besten Rechnung getragen werden kann.

Fliegengitter. Fenster mit Glasscheiben gibt’s im Heim nicht. Jedoch sind die Fenster mit Fliegen- bzw. Mückengitter versehen, die ziemlich zerrissen sind. So ist die gesamtheitliche Ersetzung ein Bestandteil der Renovation, wird jedoch ebenfalls in der Jata gemacht, dem Haus der kleinen Mädchen, wo Ursina arbeitet.

Studium. Über ein halbes Jahr durfte vor allem Ursina Profesora Irma in der Schule begleiten. So konnten wir erkennen, dass für sie ihr Beruf eine Passion ist und mit Hingabe den Kindern viel für ihre Zukunft mitgeben kann. Das fehlende Geld erlaubt es ihr aber nicht, ein weiterführendes Studium zu absolvieren. Der 100%-Job und ihre Mutterpflichten lassen es auch nicht zu, einen Zweitjob anzunehmen, damit sie zu ihrem Lehrer-Einkommen von 280 Dollar noch was dazuverdienen kann. Unter Tränen hat sie sich für die Schweizer-Engel bedankt, die es ihr erlauben, ihren Traum zu verwirklichen.

Essen. Die Fotos im Web-Album sprechen eigentlich für sich. Unsere Motivation für diesen Ausflug lag darin, den Niños zusammen mit uns einen schönen Tag zu schenken, den sie ausserhalb vom Santuario verbringen können. Keinen Zweifel, ihnen wird hier ein gutes Leben ermöglicht. Jedoch spielt sich ihre Realität fast nur auf dem Heimareal ab.

Feriengeld. Im Juli waren eine Woche Schulferien. Viele Kinder konnten in dieser Zeit zu ihren Familien gehen oder für sie wurde ein Ferienplatz gesucht. Einige blieben aber auch im Heim. Da wir in dieser Zeit selbst dringend ein Timeout brauchten, haben wir etwas Geld zurückgelassen, damit sie in den Ferien etwas Spezielles machen können.

Im Namen aller Kinder, Missioneras und Irma sagen wir allen von Herzen Danke, die es mit ihrer finanziellen Hilfe möglich machten, dies alles zu realisieren. Die strahlenden Augen tragen wir tief ihn uns und durch uns sollen sie auch euch erreichen.

tiempo

Der Wort- und Sprichwoertliche Hoehenflug aus Quito hat uns verleitet, nach langer Zeit unseren Blog zu aktualisieren. Bilder sagen mehr als tausend Worte und darum hier das Erlebte in Bilder. Und noch ganz kurz: uns gehts sehr gut. Nach Hochs und Tiefs stehen nun unsere letzten Wochen im Kinderheim vor der Tuer. Es steht noch viel an, was gemacht werden will und muss. An Abschied wollen wir noch gar nicht denken, aber einfach wird's ganz sicher nicht werden.
¡HASTA PRONTO!

Juni Teil II



Juli


August Teil I

schicksalhafte Luxustage

Am letzten Wochenende packten wir frühmorgens unsere sieben Sachen um zwei ruhige Tage in Salinas zu verbringen. Salinas liegt am äussersten Ende der Santa Elena Halbinsel und ist für die reichen Städter der beliebteste Ferienort. Als wir beim ersten Zwischenstopp auf den nächsten Bus warteten, kamen uns mit einem breiten Grinsen zwei ausgerissene Jungs aus dem Kinderheim „Santuario“ entgegen. Wie hätte es auch anders sein können – das Schicksal sollte sie wohl zu uns führen. Das Stichwort hiess auch in diesem Moment „tranquillo“. So nahmen wir sie mit nach Salinas um etwas zu trinken und die weiteren Schritte zu planen. Nach einigem hin und her telefonieren, erfuhren wir, dass jemand bereits auf dem Weg war. So naiv wie die Jungs waren, kriegten sie nichts von allem mit und dachten nur an ihre Mutter, die sie besuchen wollten. Nach zwei Stunden hat uns der Suchende gefunden und nahm sie nach längeren Gesprächen mit.
Mit Herzklopfen brachen wir auf, um uns eine Unterkunft zu suchen. Mit Erfolg! Wir fanden ein prächtiges Hotel, das mit Pool, grossen Zimmern, warmer Dusche und TV ausgestattet war. Nach Verhandeln mussten wir sogar nur die Hälfte des Preises bezahlen. Das überaus freundliche Personal hatten wir für uns ganz allein, denn wir waren die einzigen Gäste. Luxustage deshalb, weil wir einfach die Seelen baumeln lassen, ein Drink im Pool geniessen, warm duschen und unsere Ruhe haben konnten. Es ist wenig aber es genügt.

Juni Teil I

0816 hasta luego brunch

Die Zeit vergeht wie im Flug – und endlich sind hier die Impressionen von unserem „0816 hasta luego brunch“.
Ein unvergesslicher Tag, welcher stets in unseren Gedanken weilt. Wie schön war es doch, mit euch allen zusammen zu sein und auf unsere Zukunft anzustossen. Nochmals vielen herzlichen Dank für all die mitgebrachten Köstlichkeiten.

Brunch

Klappe die 2te

Alltag
Unterzwischen sind wir schon 1 ½ Monate hier. Die Ferne ist schon nicht mehr so fremd – umso mehr ist uns aber schon die Heimat fremder. Die Tage vergehen wie im Flug und der Alltag zieht ein. Das soll aber nichts Negatives bedeuten – im Gegenteil: Wir erleben immer noch täglich Neues. Auch wenn unser Leben langsam geregelter verläuft – kein Tag gleicht dem anderen. Wie sieht aber ein Tagesablauf bei uns aus?

Um 6 Uhr klingelt der Wecker (obwohl, Philipp ist immer schon vorher wach, sei das wegen seinen durch Heuschnupfen bedingten Hustenanfällen, dem Töff eines Knechtes oder unseren tierischen Nachbarn). Da wir vor allen anderen die Finca verlassen, bereiten wir unser Frühstück meist selbst zu. Anschliessend geht’s mit dem Velo ins Santuario. Das tägliche Training bringts, denn wir sind immer schneller unterwegs. Dort werden wir von allen Seiten mit Profesor Felipe und Profesora Ursina begrüsst. Die Arbeit macht inzwischen sehr Spass und die Minuten, in denen wir nichtstuend rumsitzen gehören schon fast der Vergangenheit an. Es ist schön, dass die Lehrerinnen nun mit uns arbeiten und nicht gegen uns. Wertschätzung, Zurückhaltung und Geduld waren die Zauberwörter. Um 13 Uhr ist die Schule zu Ende. Zum Zmittag gibt’s meist Reis und Suppe, das wir in der Gemeinschaft der Missioneras einnehmen. Danach warten Hausaufgaben auf uns, was immer mit sehr viel Fingerspitzengefühl verbunden ist. Wenn noch Zeit übrig ist, freuen wir uns, mit den Kindern zu spielen. Bevor wir wieder zurück zur Finca fahren, darf ein Cappuccino in Monañita, ein Sprung ins Meer oder ein Bier nicht fehlen. Nach der kalten Dusche zuhause gibt’s auch schon Nachtessen. Da wir natürlich nicht mit dem Luxus einer Abwaschmaschine beschert sind, gehört das Geschirrspülen für 16 Person vielfach auch dazu. Das Sandmännchen sagt uns hier früh gute Nacht – spätestens um 11 Uhr sind wir schon im Land der Träume.

Uns geht wirklich gut hier und unser Projekt 0816 ist trotz den überstandenen, vorhandenen und noch kommenden Schwierigkeiten genau das Richtige für uns. Auch wenn wir uns auf einiges vorbereitet haben, aber die Wirklichkeit zu erfahren und damit klar zu kommen, ist noch mal was anderes.

Ausflug nach La Renconada
Auf der Durchreise in Südamerika haben Dunja und Coco in Montañita einen 10-tägigen Stopp eingelegt. Gemeinsam mit ihnen sind wir mit dem Velo in ein abgelegenes Dorf am Meer gefahren. Der Weg dahin erwies sich als keinen Katzensprung und schlussendlich waren wir 60 km auf dem Rad. Von der Hauptstrasse aus führt eine steiler bis zum Teil fast senkrechter, ausgetrockneter Schlammweg. Im Dorf, wo die Zeit stehen geblieben scheint, genossen wir die Kühle des Meeres. Von der Hitze erschöpft und der langen Fahrt ermüdet sind Dunja und Coco direkt nach Ankunft mit einem Jeep nach Montañita chauffiert worden. Wir beide nahmen aber die Strapazen der Velofahrt nochmals auf uns und gönnten uns auf dem Heimweg einen Kuchen bei Benito. Er ist ein über die Landesgrenzen bekannter Bäcker, der sein Handwerk in Paris gelernt hat. Das wort- und sprichwörtliche Sahnehäubchen unseres Ausflugs.

Besuch von zuhause
Mit Freude erwarteten wir unseren ersten Besuch aus der Schweiz. Die ganze Familie Manser hat ihre sieben Sachen gepackt um ihre ausgebüchste Tochter und Schwester einzufangen. Die Zeit mit ihnen war für uns phänomenal. Wir durften sie für eine Woche an unserem Alltag und Leben teilnehmen lassen und die Kultur, das Land und die Leute vorstellen. Ihr Besuch gab uns aber auch die Gelegenheit, die Gegend mehr zu erforschen. So plantschten wir nach einem Marsch im Urwald im kühlen Fluss oder beobachteten Vögel auf der Isla de la Plata, das kleine Galapagos.
Nebst Hängematte, Schmuck und sonstigen Souveniers nehmen sie ein Kopf voll Eindrücke und Erlebnisse zum verarbeiten mit.

Geduld
Eines der Eigenschaften, dass wir hier schon enorm gelernt haben, ist die liebe Geduld. Dafür gibt es unzählige Bespiele – ein Klassiker dafür ist die Geschichte des Schutzbleches:
Für die kommende Regenzeit ist ein solches Ding extrem von Vorteil, wenn man nicht nach 5 Minuten Fahrt das T-Shirt wechseln will. (Die Dusche, durch ein vorbeifahrendes Auto verursacht, können wir leider nicht verhindern). Das Velo von Philipp ist leider mit nichts der Gleichen bestückt und darum haben wir eines Tages unser Glück bei unserem Velomechaniker in Montañita versucht. Er meinte nur: sí sí, mañana (morgen). Wir durften 2 ½ Wochen und unzählige Male des Nachfragens vorübergehen lassen, bis sich mañana bewahrheitet hat. Inzwischen ist das Schutzblech montiert und es fehlt nur noch ein kleines Stück (erstaunlicherweise!). Wir werden sehen, wie lange es dauert, bis das nachmontiert wird.

2 ½ Wochen und fast jeden Tag nachfragen – aber Stressen tut uns das nicht mehr. Wir können mit Stolz sagen, dass wir uns bereits sehr an das Leben und die Gegebenheiten gewöhnt und angepasst haben und über die nötige Ruhe verfügen. Einfach alles ein wenig anderes betrachten und Gelassenheit aufbringen.

Geduld ist aber auch bei der Arbeit mit den Kindern gefordert. Kinder sind überall Kinder, aber Beispiele des hohen Lärmpegels, der enormen Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten, das Desinteresse und die Langsamkeit lassen uns die Unterentwicklung der Bevölkerung täglich spüren. Eltern der Kinder haben oft keine oder eine schlechte Bildung, daher ist die Unterstützung von der Familie sehr gering. Auch sind Umgangsformen oft ein Fremdwort. So haben wir uns beispielsweise der schwierigen Aufgabe verschrieben, den Kindern die Wirkung eines Bitte und Danke näher zu bringen. Viele Kinder im Heim haben durch ihre Vergangenheit den Sinn und die Motivation fürs Lernen verloren oder gar nie gefunden. So kann einen diktierten Satz zu schreiben schon gut und gerne mal ½ Stunde dauern.
Irgendwie ein Triathlon aus Geduld, Härte und Zuwendung.

Photos April


Photos Mai

¡Bienvenido Ecuador!

Weg ins Unbekannte
Der liebe Petrus meinte es gut mit uns und lies es in Quito so stark regnen, dass unser geplanter Zwischenstopp nicht möglich war. So flogen wir direkt nach Guayaquil weiter. Beim verlassen des Flughafen empfing uns die tropische und feuchte Hitze von Ecuador. Nach einer Nacht und einem Vormittag in Guayaquil machten wir uns mit dem Taxi auf um an den Busbahnhof zu fahren. Dort wartete die erste Herausforderung auf uns. Wie finden wir nun den Schalter welcher die Tickets Richtung unserem Ziel verkauft? Ursina schlug sich jedoch trotz Hitze und nicht auskunftswilligen Angestellten tapfer. Nach einem hin und her sassen wir schlussendlich doch im Bus Richtung unbekannt. Die Fahrt war rumplig, interessant aber auch ermüdend. Zum guten Glück haben wir unsere Kontaktperson Gaby vor der Abfahrt noch erreichen können, weil sie uns auf Grund eines Datumsmissverständnisses eigentlich einen Tag später erwartet hat. So kamen wir gut auf der Finca der Fundation Santa Maria del Fiat an, unserem neuem zu Hause für die nächsten 6 Monate. Unter den ersten aber nicht den letzten Schweisstropfen richteten wir uns ein. Anschliessen warteten wir auf Gaby die uns alles zeigen wollte. Dank Andreas, einem Schweizer der auch hier wohnt und arbeitet, gingen wir nicht vergessen und so kamen wir noch zu unserem ersten Abendessen in der Gemeinschaft der Missioneras. Müde und Neugierig fielen wir ins Bett.

Unser erster Tag in Manglaralto
Gaby zeigte uns das Leben und die Umgebung der Finca. Nebst verschiedenen Unterkünften der hier lebenden Personen befindet sich die Bäckerei, Fleischerei, Schreinerei, Werkstatt, Viehzucht (Schweine, Hühner und Kühe), Kapelle, Laden und Ambulanz. Die Finca ist sozusagen das Hauptquartier der ganzen Organisation und liegt ca. 3 km von Manglaralto entfernt. Das Leben ist hier um einiges luxuriöser (im hiesigen Sinne) vor allem das durch Eigenproduktion geschaffene Essen. Gaby erzählte uns dabei viel über die Entstehung und Entwicklung der Foundation. Dazu können wir eigentlich nur „chapeau“ sagen! Nachmittags besuchten wir das 7 km entfernte Kinderheim „Santuario“ und lernten unseren künftigen Arbeitsort kennen. Nebst dem Heim befindet sich hier ein Kindergarten, die Primar- und Oberstufeschule und natürlich (wir sind ja in einem katholischen Organisation) noch eine Kirche.

Mitbewohner, Güggel und andere tierische Erlebnisse
Unsere nette Unterkunft teilen wir natürlich auch mit Gspänlis. Unsere Zimmer liegen gegenüber jedoch noch näher sind uns unsere Mitbewohner wie Fledermäuse, Kakerlaken, Moskitos, fliegende Ameisen, überdimensionale Tausendfüssler. Mäuse und Ratten haben wir noch nicht gesehen aber hören tut man sie immer wieder. Manche kleine Panikattacken mussten wir am Anfang miterleben. Inzwischen jedoch gehören sie zu uns und wir werden einer von ihnen ;-) Täglich grüssen uns auch ab morgens halb 5 die zahlreichen Güggel von nebenan. Wenn dann auch noch die Schweine und Kühe mitdröhnen, ist das böse Erwachen mal Wort wörtlich zu nehmen.

Bienvenido al Santuario
Voller Motivation und Tatendrang machten wir uns am Freitag aufs Fahrrad, dass wir pünktlich zur ersten Stunde in der Schule sind. Die 7 Kilometer Velofahrt ist ein rechtes Abenteuer. Die Strassen besitzen mehr Löcher als ein Schweizer Käse und das Klima ist ebenfalls nicht so velofreundlich.
Philipp ist Hilfslehrer in der zweiten Klasse, Ursina in der dritten. Uns erfuhr alles andere als ein herzliches Willkommen. Keine der Lehrerinnen war informiert, dass jemand kommen wird, um sie zu unterstützen. Entsprechend wussten sie nicht, was mit uns anfangen und sahen uns eher als ihren Feind.
Am Nachmittag arbeiten wir mit den Kindern vom Heim zusammen. Ursina betreut das Haus der Mädchen, die zwischen 6 und 11 Jahre alt sind, und Philipp kümmert sich um die Jungs (Alter zwischen 5 und 14). Zuerst helfen wir ihnen bei den Hausaufgaben, was alles andere als einfach ist. Wenn dann noch Zeit übrig ist, wird gespielt, rumgealbert, getröstet, Streit geschlichtet und und und.

Die Arbeit mit den Kindern machte schon sehr schnell Spass. Was sie brauchen, ist jemand, der sich Zeit für sie nimmt, ihnen Zuneigung schenken kann und sie ernst nimmt. Schön, dass wir ihnen das geben können. Wir merkten aber auch schnell, dass es einige Zeit brauchen wird, sich hier einzuleben. Bei der Organisation durchzublicken ist kaum möglich, irgendwas mitkriegen tun wir nie und Interesse haben die meisten auch nicht an uns. Viele Dinge spielen da im Hinter- und Vordergrund eine Rolle und wir müssen lernen, das das Beste rauszuholen.

Selbsthilfe
Der Vergleich mit einem Kleinkind, dass seine ersten wackligen Schritte wagt, ist sicherlich nicht ganz falsch. Jedoch lernten wir sehr schell laufen. Wir entpuppen uns nämlich als Selbsthelfer. Das erste Wochenende verbrachten wir mal damit, unsere Zimmer einigermassen sauber und wohnlich zu kriegen (lustig wie schnell man braun wird, jedoch war das ein abwaschbares). Unsere zukünftigen Fortbewegungsmittel machten wir ebenfalls fahrbar, zuerst alleine, dann mit Hilfe eines in Montanita lebenden Mechanikers. WC-Rollenhalter sind ebenso entstanden wie eine kleine Zwischenwand. So kümmern wir uns tagtäglich auch um Dinge, die man eben nicht als selbstverständlich nehmen darf wie in der durchorganisierten Schweiz.

Censo
Damit unser Visa Gültigkeit erlangte, mussten wir innerhalb von 30 Tagen nach Guayaquill pilgern. Schon der Kauf des Bustickets entpuppte sich als wahre Nervenangelegenheit, da wir 2 1/2 Stunden warten mussten, bis sich Senior Ticketverkäufer in seinen Laden begeben wollte. Am nächsten Tag hiess es um 4 Uhr morgens aus den Federn. Nach einer holprigen Fahrt begaben wir uns auf einen Beamten-Büro-Marathon, der ganze sieben Posten beinhaltete. Zum Glück begleitete uns Andreas, der das schon 3 mal durchgemacht hatte. Sonst wären wir definitiv am *pips* gewesen. Natürlich unterliess er es auch nicht, uns die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu zeigen (zum Glück sind die ziemlich spärlich vorhanden). Wie durch ein Wunder erhielten wir unser Volontär-Ausweis schon am gleichen Tag – wie dieses Foto nach einem solchen Tag aussieht, könnt ihr euch kaum vorstellen (Verbrecherphoto pur).

Leben, Land, Leute
Die Küstenregion Ecuadors gehört zu der ärmsten der Nation. Ein Leben hier zu beschreiben ist nicht sehr einfach und wahrscheinlich auch schwierig vorstellbar. Ein Familienvater, der am Abend sieben Dollar für seine ganze Familie nach Hause bringt, kann sich glücklich schätzen. Um dies noch zu unterstreichen, ein Beispiel: Der von der UNO festgelegte Mindestlohn für Ecuador beläuft sich auf 400 USD. Die ecuadorianischen Regierung akzeptiert dies nicht – so herrscht hier im Lande einen Mindestlohn von 150 USD.

Als eines der ersten Angewohnheiten mussten wir uns „tranquillo“ aneignen – den gestresste Menschen siehst du eigentlich nie. Alles läuft hier langsam und braucht unglaublich viel Zeit (und noch mehr Geduld). Effizienz und Effektivität sind Fremdwörter. Ecuadorianer und Ecuadorianerinnen sind sehr Stolz, was wir manchmal in ihrer ablehnenden Haltung zu spüren bekommen. Aber sobald sie dich das zweite mal sehen, wird man herzlich gegrüsst und fühlt sich so schnell als einer von ihnen. Die Bildung von vielen ist extrem schlecht, lesen und schreiben ist keine Selbstverständlichkeit. Was die handwerkliche Fertigkeit an-geht, sind sie aber unschlagbar.

Organisation und Informationsaustausch gehört auch nicht gerade zu der Spezialgabe der hier Angesiedelten. Oft begreifen wir nicht, wie das so funktionieren kann, können aber unterzwischen schon sehr gut damit Leben. Hierzu noch ein ganz lustiges Bespiel der Regierung. Als der neue Präsident an die Macht kam, hat er überall veröffentlicht, welche Feiertage verschoben werden sollen, damit man ein langes Wochenende machen kann. 5 Tage vor dem 1. Mai haben die Zeitungen nun eröffnet, dass alle Leute am 2. Mai auch frei haben (und machen müssen), diese Tage aber an einem Samstag nachgearbeitet werden muss.